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"ES" ( IT, USA, 2017 )

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"ES" ( IT, USA, 2017 )

Beitrag von Fynn am Mo 2 Okt - 22:55



Nach langer Zeit, oder vielleicht sogar zum ersten Mal, schreibe ich heute hier über einen neuen Kinofilm den ich gerade gesehen habe und der derzeit weltweit nicht nur "kräftig Kasse" macht, sondern auch noch vollen Lobes überall bedacht wird. Da ich das Original kenne und ebenfalls mochte, war ich als Fan guter Stephen King  Verfilmungen natürlich neugierig und wollte mal sehen ob denn der neue "ES" wirklich so gut ist wie der alte. Oder ist er vielleicht sogar am Ende besser ?

Alles beginnt in der verregneten Kleinstadt Derry in den USA, wo der kleine Georgie von seinem Bruder ein Faltboot bekommt, das er nun in der nächsten Regenrinne auslaufen lassen will. Es regnet in Strömen und das Boot hat Schwung drauf. Als Georgie fällt verliert er es für einen kurzen Moment aus den Augen und es verschwindet in einer Rinne. Kurz darauf verschwindet er komplett, denn er hat Bill Skarsgård in seiner Performance als Pennywise falsch eingeschätzt. Pennywise ist die Verkörperung des absolut Bösen. Es kommt, für in Kinder freundlicher Gestalt als Clown daher, aber seine Bösartigkeit und seine Wandlungsfähigkeit scheinen grenzenlos.

Auch in der Folgezeit bleibt Georgie verschwunden und auch die Kinder anderer Eltern scheinen machtlos während immer wieder Kinder verschwinden. Georgie’s Bruder Bill, dargestellt durch Jaeden Lieberher , und seine sechs Freunde müssen feststellen, alle mehr oder weniger schon mit „ES“ unliebsame Bekanntschaft gemacht zu haben. Im Laufe des Film kristallisiert sich das als eine äußerst harte Bewährungsprobe für alle, die sie bestehen müssen wenn sie gegen „ES“ bestehen wollen.

Der Film endet mit „Chapter One“. Die Fortsetzung soll 2019 kommen. Bevor allerdings der ganz große Aufschrei kommt muss man dazu sagen das der Film mit der Handlung dann zwar weitergeht, „Chapter One“ als Film aber durchaus für sich stehen kann. Und das ist gut so. Man geht mit einem guten Gefühl nach Hause.

Regisseur "Andy" Andrés Muschietti  hat wohl auch noch vor die nächste Stephen King Vorlage „Friedhof der Kuscheltiere“ neu zu verfilmen und wenn ich mir „ES“ so ansehe dann besteht für mich echter Grund zur Hoffnung auch diese Vorlage einmal vernünftig umgesetzt zu sehen, da ich die bisherige Verfilmung schlicht grauenhaft fand. Und das soll kein Lob sein. Das die Regisseurin inzwischen für die Billig Filmschmiede The Asylum tätig ist sagt auch so manches, aber darum soll es hier nicht gehen.

Irgendwann während man im Kino sitzt versteht man langsam warum überall bereits von einem neuen „Klassiker“ die Rede ist. Warum der Film in einem Atemzug mit Filmen wie „Der Exorzist“, „Der weisse Hai“ u.a. genannt wird. Derlei Vergleiche finde ich zwar Unsinn, aber ich denke schon das der Film ohne Frage das Zeug zum Klassiker hat. Ganz sicher sogar. Aber auch wenn die Performance von Bill Skarsgård als Pennywise noch so gut ist, ist es sicher nicht allein „sein Film“, dazu tragen viel zu viel andere Dinge dazu bei. Als erstes muss man das wirklich brilliante Drehbuch der Autoren loben das diese nach dem 1500 Seiten (!) starken Wälzer von Stephen King verfasst haben. Natürlich ist es in großen Teilen mit dem TV-Original von 1990 stark verwandt, hat aber auch genug eigenes Potential, was ihn wirklich stark macht.

Regisseur Andy Muschietti der bereits durch den Genre Film „Mama“ aufgefallen war hat den bekannten Roman ( und auch den Film ) in die Mitte der 80iger Jahre verlegt. Dort läuft gerade „Lethal Weapon“ und „Batman“ im Kino und sieben Freunde, die ohnehin noch mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind, müssen sich außerdem gegen eine Gruppe älterer Jungs zur Wehr setzen. Zu ihnen kommt etwas unerwartet, auch noch die junge, aber recht hübsche Beverly Marsh, die den Jungs gehörig einheizt. Allerdings hat Beverly zu Hause selbst ein Problem mit ihrem Daddy, der ihr stets an die Wäsche will, so dass sie viel lieber in dieser Gemeinschaft ist.



Beverly, gespielt von Sophia Lillis, ( Mitte ) ist das A und O unter den Darstellern. Sie ist nicht nur jung und natürlich, sie wirkt auch unglaublich professionell damit und stellt alle anderen, ohne es wahrscheinlich überhaupt zu wollen, lässig in den Schatten. Sie ist immer präsent und nutzt ganz jede Szene. Sie muss nicht einmal besser werden, sie ist bereits ! Ihre männlichen Mitspieler machen ihre Sache zwar ebenfalls ganz ordentlich, aber an Miss Lillis kommen sie so ohne weiteres nicht vorbei. Finn Wolfhard war der Darsteller des Richie, er hat durch eine Menge Lacher Symphatien einstecken können und das war auch ein Teil dessen was „ES“ sicher so erfolgreich gemacht hat : er hat eine Menge brillianter Effekte drauf und manchmal wird man echt erschreckt, er hat aber auch eine grandiose Ausstattung zu bieten, alte verfallene Häuser mit Dreck und Spinnweben. Alles sehr schön ausgeleuchtet in teils ruhigen Bildern, - bis es dann wieder ordentlich kracht und die Achterbahnfahrt wieder von vorne losgeht ! Langweilig ist das nicht, im Gegenteil, es wird eine Menge Grusel geboten und auch eine Tour de Fource an Spannung. An einer Stelle bemerkte ich sogar bei mir eine richtige Gänsehaut – und ich muss sagen, die hatte ich lange nicht mehr ! Der Film ist wirklich gut, einer von denen, die man wirklich empfehlen kann und den man sich auch öfter ansehen kann. Und übrigens ist Finn Wolfhard sicher einigen bereits bekannt : durch die äußerst erfolgreiche und auch sehr gute Mysterie Serie "Stranger Things" dürfte er vielen die bereits ungeduldig auf die Fortsetzung warten ein Begriff sein. Paralelen zu "ES" gibt es hier ganz sicher auch. Und auch bei "Stranger Things" kommt ja demnächst eine Fortsetzung auf die auch nicht wenige ungeduldig warten dürften.

Bill Skarsgård gibt als Pennywise eine wirklich gute Figur, da lässt sich nichts gegen sagen und er wird ja auch im Folgefilm wieder mitspielen. Ob er besser war als Tim Curry im Original 1990 ? Ich finde ja, aber das lässt sich auch schwer vergleichen, da die Figur doch etwas anders angelegt ist. Das A + 0 sind aber die anderen Darsteller, ihre Freundschaft zueinander und ihre eigene Geschichte. Das ist das eigentlich spannende. Ach, und natürlich darf man keinen Slasher erwarten o.ä. , denn hier geht es nicht um Blut. Die Spannung bezieht der Film aus seinen Darstellern und seiner Geschichte. Und da kann er sich auf beides verlassen. Wenn man allerdings fair ist muss man auch sagen das die einzelnen Figuren der Personen und speziell der Kinder im Original noch etwas mehr Tiefe hatten, - das könnte, wenn man wollte nun diesem Film vorwerfen. Aber dennoch ist er 135 min. perfekte Unterhaltung, gut gespielt mit einem phantastischem Drehbuch und tollen Kulissen. Ich freue mich auf Chapter Two !


Wer sich den Film jetzt nicht ansehen will, der sollte es spätestens bei der DVD Premiere tun, denn die soll sogar um einiges länger sein. Von 15 min. ist da sogar die Rede, und das wäre ja nicht gerade unerheblich. Derzeit läuft er aber noch im Kino und scheinbar sogar ziemlich erfolgreich. Ich musste sogar vorbestellen, obwohl er hier in 2 Sälen läuft und ich nachmittags drin war. Jetzt kann ich die Blu Ray vorbestellen !

Ergänzung : Inzwischen hab ich mir "ES" sogar noch ein 2. Mal angesehen. Ich gucke mir Filme innerhalb so kurzer Zeit nur sehr sehr selten an, aber "ES" ist definitiv auch beim 2. Mal ein Gewinn ! Die eigentlich ja bereits bekannte Geschichte profitiert sehr durch seine Darsteller und durch die gekonnte Mischung der Erzählweise von Freundschaft, Grusel und den Erlebnissen die viele von uns von früher vielleicht auch noch kennen und durchgemacht haben. So bietet der Film also neben seiner Geschichte und seinen tollen Darstellern einen prima Wiedererkennungswert, dem man sich schwer entziehen kann.

Irgendwelche Vergleiche mit Klassikern wie dem "Exorzisten" oder dem "weissen Hai" sind purer Unsinn und halten dem vielleicht nur insofern stand, als das dieser Film auf Dauer wohl ebenso einen ähnlichen Status erreichen könnte, - mehr aber auch nicht. Da es sich um Jugendliche und einen Roman von Stephen King handelt ist der Vergleich mit "Stand by me" vielleicht eher angebrachter, wobei man die Filme inhaltlich und formal überhaupt nicht miteinander vergleichen kann.

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