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VAMPIRO (Mexico 1957)

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VAMPIRO (Mexico 1957)

Beitrag von GrafKarnstein am Mi 29 Jan - 23:17

Da der folgende Film hier noch gar nicht richtig gewürdigt worden ist, hole ich das jetzt einfach mal nach. Er ist es wert!

VAMPIRO
(MEXICO 1957)

Abel Salazar - DOKTOR ENRIQUE
Ariadna Welter - MARTA
Carmen Montejo - ELOISA
German Robles - GRAF KAROL DE LAVUD / SENOR DUVAL

Regie : FERNANDO MENDEZ

Laufzeit ca. 80 min
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Die junge Senorita Marta trifft mit dem Zug in der kleinen abgelegenen mexikanischen Stadt Sierra Negra ein. Ihr Onkel Don Emilio Gonzales hat nach ihr schicken lassen, da ihre Tante Maria im Sterben liegt. Um zur Hazienda der Familie Sicomoros zu gelangen fährt sie mit einer Lastkutsche mit, dessen Kutscher eine merkwürdige große Holzkiste vom Bahnhof abholt. In dieser befindet sich Erde aus Ungarn, die widerum an einen Senor Duval überbracht wird. Ein Mann begleitet Marta ebenfalls zu den Sicomoros, den sie am Bahnhof kennen lernte. Er stellt sich ihr als Enrique vor. Als Marta auf der Hazienda eintrifft, fand inzwischen die Beisetzung ihrer Tante statt.

Ihre andere Tante, die Comtessa Eloisa offenbart ihr, das sie u.a. nun die Verantwortung für die Hazienda und das ganze Landgut der Sicomoros hat. Die Hazienda ist in keinen guten Zustand, denn der Verfall der Zeit nagte an ihr. Eloisa will, das Marta das Gut an den mysteriösen Senor Duval verkauft, da es hier nichts mehr zu bewirtschaften gibt. Marta will aber erstmal nicht, da ihre verstorbene Tante Maria unter Wahnvorstellungen litt, das in der gesammten Umgebung Vampire existieren sollen. Enrique gibt sich dem Don Emilio als Doktor zu erkennen, da dieser ihn heimlich angefordert hatte, um den merkwürdigen Tod von Maria und sonstige mysteriösen Geschehnisse auf dem Landgut aufzuklären.

ELOISA
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Eloisa ist die Vampirbraut des Grafen Lavud und dieser will mit ihrer Hilfe sich der Hazienda bemächtigen, um seinen Bruder wieder auferstehen zu lassen. Von der Hazienda aus will er dann über die ganze Region herrschen. Deswegen auch die Holzkiste mit der Erde, denn nur in ungarischer Erde kann sein Bruder wieder zum Leben erweckt werden. Als Marta zufällig im Spiegel ihres kleinen Kosmetikkoffers Eloisa nicht sieht, glaubt sie an Sinnestäuschung. Dann erinnert sie sich an die vorabendliche Unterhaltung über Vampire, ihr nichtvorhandenes Spiegelbild, den Kruzifixen usw. Später sieht sie ihre Tante Eloisa tatsächlich nicht im Spiegel und bekommt Angst. Auch Verstorbene scheinen nicht dort zu sein, wo sie eigentlich sein sollten.....!

GRAF LAVUD & ELOISA
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Dieser kleine, eher unscheinbare Film gilt als Durchbruch des mexikanischen Horrorkinos und es war auch der erste Vampirfilm aus Mexico. In den 30er Jahren entstand nur eine Handvoll mexikanischer Gothic-Horrorfilme unter der Regie von JUAN BUSTILLO ORO, die aber bei den Mexikanern kaum Beachtung fanden. Vielmehr war das Hauptaugenmerk auf Dramen, Western und Revolutionsfilme gerichtet und das bis weit in die 50er Jahre hinein. Mit dem Jahr 1957 änderte sich dies. Vampiro wurde in Mexico, aber auch international ein Riesenerfolg, außer in Deutschland!

Die Gründe dafür waren u.a., das Vampiro erst 1960 in Deutschland zu spät in die Kinos kam. Er lief erst nach dem Hammerfilm DRACULA, der ein Jahr später nach Vampiro entstanden war. Dracula startete noch im Jahr seiner Entstehung im Dez. 1958 in den deutschen Kinos, Vampiro aber erst im Januar 1960. Und nachdem die deutschen Zuschauer den Hammer-Dracula Film gesehen hatten und das alles noch in den schönsten Farben, konnte der in schwarzweiß gedrehte Vampiro nur verlieren, und somit verschwand dieser sang- und klanglos in der Versenkung und ward seitdem nie wieder gesehen, weder im TV noch auf Video.

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Der katholische Filmdienst gab ihm den Rest und urteilte für meine Begriffe ziemlich ungerechtfertigt, Zitat:

"Belanglose Variante des bekannten Gruselthemas, technisch wie darstellerisch auf niedrigstem Niveau."

Diese Kritik teile ich überhaupt nicht, weil sie dem Film einfach nicht gerecht wird. Schon ein Vergleich des Horrorkinos aus Mexico mit dem des europäischen ist schwierig, denn die mexikanischen Filme sind kulturell anders, als die der Europäer oder der USA, was auch logisch ist, und dementsprechend besitzt das mexikanische Kino eine andere Einstellung zum Genrefilm. Hier und da werden schon mal diverse Horrormotive miteinander verbunden, wobei Stil und Handlungen sich sehen lassen können.

Vampiro ist ein exzellentes Beispiel dafür, und Regisseur FERNANDO MENDEZ verband hier sogar die Vampirthematik mit dem Motiv des Lebendig begraben seins. Vampiro mag zwar billig produziert worden sein, aber Senor Mendez verstand es geschickt eine tolle Schwarzweiß-Atmosphäre zu erzeugen, die für mich überraschend war/ist. Schon die Beerdigungszeremonie, wo mexikanische Bauern einen Sarg zur Gruft tragen und die Hinterbliebenden ihm folgen, überzeugt durch eine gelungene Schwarzweiß-Photographie. Kameraführung, Ausleuchtung und etliche Einstellungen tragen wunderbar zur Gesamtatmosphäre bei.

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Man hat sich auch einiges einfallen lassen. So tauchen die beiden Vampire wie aus dem Nichts auf und verschwinden auch wieder. Das mag ein ganz einfacher Trick sein, aber ganz so ist es wieder nicht. Wenn z.B. Graf Lavud aus einiger Entfernung zwischen Vorhängen oder Wänden auftaucht, so sieht man seine Gestalt ziemlich schmal, fast wie einen Strich, dann kommt er näher und während dessen formt sich seine Gestalt. Das ist optisch äußerst ansprechend inszeniert, wie auch etliche andere Sequenzen. Ferner können die beiden Vampire aus der Entfernung gedanklich miteinander kommunizieren. Auch die Verwandlung in Fledermäuse ist zwar einfach, aber durch die Schnitttechnik wieder wettgemacht worden. Das mag billig wirken und ist es wohl auch, aber es kann sich sehen lassen. Man muß auch bedenken, das solche Filme immer Kinder ihrer Zeit sind und z.B. die Hammerfilme oder diverse B-Filme aus den USA hätten es damals auch nicht besser gemacht. Unter diesen Gesichtspunkten verstehe ich die Negativ-Kritik zu Vampiro überhaupt nicht! Das erstaunliche an Vampiro ist, das er sogar einige Motive und Einstellungen der später einsetzenden Dracula-Hammerfilme vorweg nimmt. Das ist Fakt, und man wird dies bemerken, wenn man bereit ist sich Vampiro anzusehen.

ELOISA in der Gruft
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Fazit:
Für mich ein überrraschender Vampirfilm aus Mexico, der sich keineswegs hinter anderen Produktionen von damals verstecken muß und heutzutage genau die Nostalgische Horroratmosphäre inne hat, die man bei alten Filmen dieser Art zu schätzen weiß. Wer noch nie einen mexikanischen Vampirfilm gesehen hat, dem bietet sich die Gelegenheit dazu. Graf Lavud ist dank der DVD des Labels Subkultur wieder auferstanden. Sehr lobenswert ist es, das auf der DVD die mexikanische Bild- und Tonfassung enthalten ist, die ca. 80 min läuft. Somit kann man sich den Film komplett in spanisch mit deutschen Untertiteln, aber auch in deutsch ansehen. In der deutschen Kinofassung fehlende Szenen, sind mit einer zweiten Untertitelspur versehen. Diese ist im originalen 4:3 Bildformat und erweist sich meiner Meinung nach als die bessere Fassung. Wer nun deswegen herum nörgeln will, sollte sich vorher darüber im klaren sein, das man überhaupt froh sein kann, das es dieser Film überhaupt auf DVD geschafft hat. Für mich ist es nicht gerade selbstverständlich, das im deutschsprachigen Raum alte mexikanische Filme auf DVD erscheinen, die mal vor langer Zeit im Kino liefen!

Als Extra ist u.a. noch die alte deutsche Kinoversion mit drauf, die zwar im 16:9 Format daher kommt, allerdings nur ca. 77 min läuft. Das ist etwas für Kino-Nostalgiker. Allerdings weist schon der mexikanische Originalvorspann erhebliche Unterschiede zum deutschen auf. Des weiteren befinden sich noch eine Bildergalerie und ein Radiointerview auf der DVD.

Für mich ein schöner guter alter Schwarzweiß-Vampirfilm aus Mexico, den ich in Abständen immer wieder gerne sehe.

10 /10 mexikanischen Vampiren  ro7 
GrafKarnstein  e4du  .....  gh7h

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Re: VAMPIRO (Mexico 1957)

Beitrag von Fynn am Do 30 Jan - 3:47

rr7v rr7v ,

schönes Review, muss ich sagen ! Und ich kann mich dem auch absolut nur anschließen ! Wer mit diesen alten Vampir und Horrorstreifen nichts anfangen kann, den wird vllt auch "Vampiro" kalt lassen. Wenn man unvoreingenommen an diese Sache herangeht und diese alten Filme auch mag, dann merkt man m.E. bereits in der Eingangssequenz, das man hier nicht so sehr im falschen Film gelandet sein kann.

Bekanntermaßen bin ich ja auch ein absoluter Fan der schönen farbenfrohen Hammer Filme. Das heißt aber nicht, das ich keine s/w Filme mag. Im Gegenteil, manche Filme entwickeln gerade dadurch erst ihre besondere Atmosphäre. Ich hätte z.B. Schwierigkeiten mir einen Bava wie "Die Stunde, wenn Dracula kommt" oder ähnliche Filme in Farbe vorzustellen. Allerdings finde ich schon, das es Filme gibt, die auch "eingefärbt" richtig Spaß machen. Dazu zählen für mich persönlich u.a. auch die Harryhausen Filme, die es seit einiger Zeit gibt und sogar, ja der Ed Wood' "Plan 9..."   xaz 

PS. übrigens...vermutlich hast Du nachsehen wollen, ob der Film hier schon besprochen wurde und hast den Titel in die Suchmaske eingegeben, wo er aber nicht erscheint. Jetzt wollte ich eben Dein Review bei der OFBD eintragen, (was ich auch tun werde !) und muß erstaunt feststellen, das Eddie bereits doch schon was zum Thema geschrieben hatte, wenn auch nicht ganz so ausführlich. Hier, bitte :

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Re: VAMPIRO (Mexico 1957)

Beitrag von Eddie-Fan am Do 30 Jan - 8:23

Schöne Rezension und sehr interessant zu lesen. Ich habe diese Rezi natürlich jetzt sofort mit dem Lexikon verknüpft.  vd6 

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